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Wie man aus Sommerreifen Winterreifen macht und Beadlock Ringe entfernen

Ich hatte ja in meinem letzten Beitrag über das Treffen mit dem Herrn vom Militär, der mir den Tipp mit den Lamellen-Schnitten in den Reifen gegeben hatte, geschrieben.

Da wir nach wie vor mit der Performance unserer Michelin XZL+ im Winterbetrieb nicht so recht happy waren, bin ich seinem Tipp nachgegangen und wir haben Kontakt mit der Firma Dekkmann aufgenommen und haben auch gleich einen Termin bekommen.

Wir sind inzwischen seit rund 2 Monate in Norwegen unterwegs und es wird ja auch noch ein bisschen dauern bis wir aus dem Schnee wieder rauskommen.

Nochmal das Problem:

In der Reifengröße 14.00 R20 gibt es meines Wissens nach, keinen wirklich wintertauglichen Reifen. Dem einen sagt man etwas bessere Eigenschaften nach als den anderen, Fakt ist: es sind alles Offroad Reifen, teilweise zwar mit M+S Kennung aber im Grunde sind sie alle ein Kompromiss. Es gibt seit neuestem sogar eine Regelung, das M+S Reifen in Skandinavien bei LKW über 3.5t (oder waren es 7.5?) nicht mehr zulässig sind, ich glaube zwischen Oktober und Mai (nicht festnageln, kann mich nicht mehr ganz genau erinnern).Theoretisch könnte man jetzt über die Definition diskutieren, ob LKW oder Wohnmobil – aber es sollte klar sein dass man sich bestenfalls in einer Grauzone befindet. Wusste ich alles vorher auch nicht 😉

Hier in Skandinavien gibt es einfach dauerhaft im Winter nochmals deutlich spannendere Herausforderungen als im Rest von Europa.

Wir hatten uns ja daher schon direkt bei der Ankunft in Norwegen Spikes in die Reifen schießen lassen (hier zum Artikel), da ich ja über die mangelnden Winterfähigkeiten der Reifen im Bild war. Das ist soweit auch fahrbar, Bergauf ging eh fast immer, dank Allrad und diverser Sperren. Kurvenfahrten waren soweit auch ganz OK, auch wenn sich die Lenkung schon ständig sehr weich anfühlt und das Teil auch immer mal über alle Räder schiebt, aber nicht kritisch. Nicht übertreiben vorausgesetzt! Und den Speed der norwegischen LKW Fahrer annehmen ist auch keine gute Idee……

Ein ernsteres Problem ist der Bremsweg, der ist indiskutabel! Das sorgt natürlich auch für ein etwas kribbelndes Gefühl in der Magen Gegend beim Bergab-Fahren…… und die haben hier Berge in Norwegen 😉 und dauernd die Schneeketten aufziehen macht auch keinen Bock, zumal die wirklich nur bei Schnee helfen.

Die Lösung:

Das norwegische Militär fährt ebenfalls diese Reifen, da sie eben Offroadfähige Reifen fahren müssen. Fast alle haben auch den Michelin drauf, ein paar habe ich auch gesehen mit Conti HCS. Sie kämpfen demnach mit den gleichen Problemen im Winter wie wir.

Die Reifen werden einfach rundum, quer zur Fahrtrichtung mit feinen etwa 1 cm tiefen Schnitten versehen. Wenn Spikes auf den Flanken montiert sind, nur auf den mittleren Profilblöcken, ohne Spikes komplett. Die Schnitte sind sehr fein, ähnlich wie bei normalen vernünftigen Winterreifen.

Leider muss man die Reifen von der Felge runterziehen, da sie einfach etwas zu groß sind für die Maschine. In meinem Fall waren die Reifen auch noch mit diesen nervigen Beadlock Ringen ausgestattet, die wollte ich von Anfang an nicht haben, sie waren aber bei unserem Truck ab Werk verbaut. Die haben wir bei der Aktion auch gleich entsorgt. Jetzt bekomme ich wenigstens die Reifen auch ohne Maschine von der Felge.

Die Demontage der Ringe ist eine größere Sache und die meisten sagen, man muss eine spezielle Vorrichtung haben um den Druck aufbauen zu können, dass man den Sprengring rausbekommt. Die Norweger haben das mit der normalen Maschine geschafft, mit etwas Gewalt, aber sie sind raus. Der Teil entfällt natürlich, wenn man die Ringe nicht drin hat, dann dürfte die ganze Aktion recht schnell erledigt sein – so hat es fast 7 Stunden gedauert bis alle 6 Reifen + Ersatzrad von dem Mist befreit und mit Schnitten versehen waren.

Soviel schon mal vorab: Auf den bisher rund 30 Km Testfahrt war es ein Unterschied wie Tag und Nacht! Es funktioniert definitiv deutlich besser als ohne die Schnitte.

Die Arbeiten werden wohl von nahezu jeder LKW Reifenwerkstatt durchgeführt. Die schneiden hier auch ihre AT Reifen von den Geländewagen oder auch die normalen LKW Reifen.

Ich habe das ganze mal in einem kleinen Film zusammengestellt.

4 Kommentare zu “Wie man aus Sommerreifen Winterreifen macht und Beadlock Ringe entfernen

  1. Oliver Gorny

    Hallo, interessanter Beitrag. Wir fahren auch einen MAN 6×6 TGS und werden irgendwann auch einmal Skandinavien angehen. Vor diesem Hintergrund: Würdet Ihr im Nachhinein die Spikes auf die ganze Lauffläche und nicht nur aussen reinmachen lassen (was ja auch häufig gemacht wird und sicher Seitenführung und Bremsweg verbessern sollte) oder nur auf die „Reifenschneide-Lösung“ setzten und damit die Nutzung/Weiterverwendung der Reifen deutlich flexibilisieren. Beide Lösungen zusammen sind ja schon mit Aufwand & Kosten verbunden. Danke

    1. Patrick Autor des Beitrags

      Hallo Oliver,

      ich verfolge eure Reisen schon länger, schön dass ihr auch mal bei uns vorbeischaut 😉

      Zu deiner Frage, ich würde beides machen. Nur mit den Spikes war es zwar auf Eis irgendwie machbar – zumindest hat sich irgendwas bewegt oder auch verzögert. Ich habe eigentlich noch niemanden gesehen, der den Reifen komplett mit Spikes versehen hat. Wenn kein Eis da ist, verschlechtern sich die Eigenschaften wohl deutlich wenn der Reifen flächendeckend gespikt ist. Erscheint mir auch logisch, da ja weniger Gummi auf die Straße kommt, man rollt ja hauptsächlich auf den Spikes. Auf Schnee helfen die Spikes überhaupt nicht und auch in diesen Mix-Konditionen war es wirklich nicht gut. Ich bin recht schmerzfrei, aber mit den Michelin nur mit Spikes in diesen gemischten Konditionen hat sich nicht gut angefühlt. Das einzige was der Reifen ganz gut kann, ist frisch gefallener Schnee. Sobald er richtig festgefahren ist und glatt wird, geht schon wieder nur wenig. Mit den Schnitten (Seipen ist wohl der Fachgerechte Ausdruck) ist es wirklich viel besser geworden. Laut Aussage verschiedener Leute, macht es eher Sinn auf die Spikes als auf das Seipen zu verzichten. Wobei wenn die Fahrbahn dann richtig vereist ist, fehlt halt auch was. Die meisten Norweger haben Winterreifen drauf, die an den Flanken mit Spikes ausgestattet sind.
      Es war natürlich Aufwand, auch ein finanzieller, allerdings macht es so jetzt tatsächlich viel mehr Spaß zu fahren. Und es ist allemal billiger und weniger Akt als sich irgendwo aus der Botanik ziehen zu lassen. Und ich muss wirklich sagen, die Straßenverhältnisse sind schon speziell, ich war schon viel unterwegs, aber es ist schon besonders. Wir haben wohl eine etwas ungewöhnliche Wetterlage erwischt, normalerweise sollte es um die Jahreszeit einfach kälter sein, aktuell schneit es immer recht stark, dann gibt es Plus Grade, es fängt an zu regnen und alles verwandelt sich in eine unglaubliche Eisbahn…….
      Runderneuerte Reifen mit Winterprofil in unserer Größe mit Spikes an den Flanken sind sicher die beste Lösung. Allerdings auch die teuerste und die Reifen wird man vermutlich nach dem Skandinavien Abenteuer nie mehr brauchen…….
      Melde dich super gerne wenn du noch etwas wissen möchtest!
      Grüße
      Patrick

  2. Oscar Segura

    Vielen Dank für den tollen und sehr in interessanten Bericht. Bin gespannt wie sich die „Rillung“ auf den Verschleiss auswirkt wenn keine winterlichen Verhältnisse mehr sind.
    Werde es mir auf jeden Fall merken.

    1. Patrick Autor des Beitrags

      Hey Oscar,

      ja ich bin auch mal gespannt 😉 Die Jungs hier oben behaupten es würde die Lebensdauer verbessern, da der Reifen kühler läuft…… keine Ahnung – kann mir aber schon vorstellen, dass man gerade beim steinigen Geländeeinsatz eher mal Profilausbrüche hat.
      Ich werde berichten 😉
      Grüße
      Patrick

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